21. Feuerwehrsymposium

Am Samstag, den 17. November 2018 fand in den Räumen der Versicherungskammer Bayern das 21. Feuerwehrsymposium des Stadtfeuerwehrverbandes München statt.

Mit mehr als 300 Besuchern war die jährliche Fachtagung, wie auch die Jahre davor, bis auf den letzten Platz ausgebucht. Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble, Dienststellenleiter der Berufsfeuerwehr München und Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes, hob in seiner Begrüßung seinen Stolz darüber hervor, dass die Themenauswahl des diesjährigen Symposiums alle derzeit interessanten Feuerwehrthemen abdecke.

Die Tagesordnung ließ auf eine gute Mischung aus Fachthemen und Einsatzschilderungen hoffen. Auch der Hausherr Herr Ramsl freute sich als Vertreter der Versicherungskammer Bayern über die große Bandbreite bei der Themenauswahl. Durch die Veranstaltung führte als Moderator Herr Oliver Bendixen vom Bayerischen Rundfunk. Er eröffnete den Tag mit seinem Motto „Lebenslanges Lernen“ und wies mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass er auch ohne Einladung immer wieder kommen würde, weil diese Veranstaltung für Ihn keine Arbeit, sondern pures Vergnügen bedeute.

Digitaler Wandel in der Feuerwehr

Digitalen Wandel kennt man aus dem alltäglichen Leben. Aber wie weit beeinflusst oder verbessert dieser Wandel die Arbeit einer Feuerwehr? Dieser Frage stellte sich der Referent Dr. Olaf Grebner.

Nach einer einleitenden Handzeichenabfrage der Symposiumsteilnehmer, wer digitale Medien benutze, zeigte Herr Dr. Grebner an einfachen Beispielen auf, dass sich auch eine Feuerwehr als Behörde diesem Wandel gar nicht mehr entziehen könne. Er machte deutlich, welche Vorteile digitale Medien bei einem Feuerwehreinsatz mit sich bringen können. Herr Dr. Grebner erklärte ausführlich, wie sich die Feuerwehr in Zukunft im Einsatzfall innovativer, moderner Techniken bedienen könnte.

Detaillierter ging der Referent auf das Thema „Smartmelder“ ein. Dieser mit dem Smartphone gekoppelte Rauchmelder kann den Einsatzkräften im Einsatzfall zum Beispiel Informationen über die Personenanzahl im betroffenen Objekt liefern.

Trend zum Holzbau

„Immer mehr Holzhäuser schießen aus dem Boden, was bedeutet das für die Einsatztaktik einer Feuerwehr?“ Mit diesen einleitenden Worten begann der Referent Herr Peter Bachmeier, Leitender Branddirektor und Abteilungsleiter Einsatzvorbeugung der Berufsfeuerwehr München, seinen Vortrag.

Nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung der Bauordnung referierte Herr Bachmeier über das Brandverhalten des Baustoffes Holz. Nach einer Gegenüberstellung der beiden hauptsächlich verwendeten Baustoffe Holz und Stahl wurden durch den Leitenden Branddirektor die größten Gefahren und Fehler beim Brand von Holzbauten aufgezeigt.

Herr Bachmeier versuchte anhand einfacher Beispiele und sogenannter „Basismaßnahmen“ der Feuerwehrarbeit, den Symposiumsteilnehmern die Schwierigkeit reiner Holzbauten im Brandfall näherzubringen.

Gewalt gegen Einsatzkräfte

Ist der zuletzt in den Medien oftmals schnell verwendete Begriff „Gewalt gegen Einsatzkräfte“ auch bei einer Feuerwehr ein Problem? Dieser Frage ging Herr Dr. Jörg Schmidt, Abteilungsleiter Ausbildung, Einsatzanalytik bei der Feuerwehr Köln auf den Grund.

Er ging auf das „Phänomen Aggression“ ein und versuchte, den Symposiumsteilnehmern verschiedene Differenzierungsmöglichkeiten als Einsatzkraft aufzuzeigen. Anhand verschiedener Fallbeispiele konnte deutlich geschildert werden, wie schnell bestimmte Situationen im Rettungsdienst- oder im Feuerwehreinsatz aufgrund emotionaler Ausnahmesituationen „überkochen“ können.

Im Anschluss ging es um die Frage, wie der Eigenschutz für Einsatzkräfte optimiert werden kann und wieso eine „Defensiv-Ausrüstung“ für Einsatzkräfte ein falsches Signal darstellen würde.

Brandereignis Grenfell Tower London

In der Nacht zum 14. Juni 2017 bricht im Grenfell Tower in London ein Feuer aus. 72 Menschen kamen dabei ums Leben. Von der „London Fire Brigade“ war Mr. Nick Newman nach München gekommen, um den Symposiumsteilnehmern einen Eindruck von der schlimmsten Brandkatastrophe in Großbritannien seit Jahrzehnten geben zu können.

Mr. Newman ist bei der Feuerwehr London Group Manager und wurde nach dem Brandereignis in das „Grenfell Tower Investigation and Review Team“ abkommandiert, welches mit der Aufarbeitung und den möglichen Folgen dieses Einsatzes beauftragt wurde.

Überpünktlich waren alle Teilnehmer nach der Mittagspause wieder an ihren Plätzen und lauschten mit Kopfhörern und Simultandolmetschern den Worten des Londoner Feuerwehrmannes. Nach einem kurzen Überblick über London und vor allem über die Strukturen der Londoner Feuerwehr hätte man sprichwörtlich eine Stecknadel fallen hören können, als Mr. Newman begann, über die Ausmaße dieses schrecklichen Brandereignisses zu referieren.

Group Manager Newman ging nicht nur auf das Brandereignis an sich ein, sondern ließ sein Publikum auch an den Maßnahmen nach dem Einsatz teilhaben. Änderungen im Verhalten des Vorbeugenden Brandschutzes, aber auch die für uns unvorstellbar ablaufenden Gerichtsverhandlungen - bei der Feuerwehrmänner ihre Entscheidungen live im britischen Fernsehen verteidigen mussten – wurden ausführlich thematisiert.

Cobra Cold Cut Löschsystem

„Eine echte Innovation oder teure Spielerei?!“ Referent Thorsten Koryttko, Leiter der Feuerwehr Gladbeck, versuchte den Teilnehmern eine ehrliche Abwägung darüber zu geben, ob Feuerwehren dieses Löschsystem nützt und welche Erfahrungen die Feuerwehr Gladbeck bisher gemacht hat.

Anhand einiger Einsatzbeispiele der Feuerwehr Gladbeck und mittels anschaulichen Bildmaterials konnte ein guter Eindruck von diesem noch sehr innovativen Löschsystem gewonnen werden. Zum Abschluss wurden noch unzählige Fragen aus dem Publikum - meist aus dem alltäglichen Leben im Umgang und im Einsatz mit dem Cobra Löschsystem - von Herrn Koryttko beantwortet.